Das Ohr an der Kommunalpolitik
Heike Heubach zu Gast bei energie schwaben
Heike Heubach ist Mitglied des Bundestags (MdB) aus Stadtbergen. Insbesondere setzt sie sich für Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik ein. Wichtige Themen: Wohnen und Inklusion. Sie ist das erste gehörlose MdB und erhielt für ihre erste Rede in deutscher Gebärdensprache im Bundestag den Preis Rede des Jahres 2024 vom Seminar für allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen. Ihre Rede wurde damals von einer Gebärdensprachdolmetscherin simultan übersetzt – ebenso wie das Gespräch mit Markus Last, Geschäftsführer energie schwaben, eine Dolmetscherin und ein Dolmetscher begleiteten. Last und Heubach sprachen über die Energie- und Wärmeversorgung der Zukunft und die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Markus Last: Die Verunsicherung in den Kommunen ist groß. Wir warten deshalb sehr gespannt darauf, wie die endgültige Fassung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) – das frühere Gebäudeenergiegesetz (GEG) – aussehen wird. Die Kundinnen und Kunden machen gerade vor allem – gar nichts. Für sie wäre es wichtig, Sicherheit für ihre Investitionsentscheidungen zu haben. Klimaneutralität über die Beimischung von grünen Gasen zu erreichen, halten wir für einen guten Ansatz. Eine Grüngasquote könnte maximale Flexibilität schaffen. Heike Heubach: Als Mitglied des Bundestags (MdB) bin ich Teil des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, in dem über das GEG diskutiert wird. Das Thema müssen wir mit dem Koalitionspartner noch zu Ende verhandeln. L: Wir haben 120 000 Gaskundinnen und -kunden, die typischerweise im Einfamilienhaus wohnen, das mit einer 25 Jahre alten Gasheizung beheizt wird. Sie sollten die Möglichkeit haben, eine Heizung einzubauen, die CO2 einspart, auch wenn es vielleicht nicht gleich 100 Prozent Einsparung sind. H: Welche Rolle können grüne Gase für die Energiewende spielen? L: Biogas-Anlagen dienen oft ausschließlich der Direktverstromung. Die Wärme wird quasi „weggeschmissen“. Heutzutage wird aber auch vermehrt Biogas aus Gülle gewonnen und aufbereitet. Wenn wir das ins bestehende Gasnetz einspeisen, entsteht daraus ein nachhaltiger Kreislauf. Die Bedeutung von Biogas aus organischen Abfällen wird noch zunehmen, das Potenzial ist da. Wir könnten hier in Bayerisch-Schwaben bis zu 25 Prozent des Gasverbrauchs mit Biogas abdecken. Das Gas könnte zum Beispiel Spitzenverbräuche an kalten Tagen auffangen. Wir werden außerdem in Zukunft ein Wasserstoffnetz haben, daran arbeiten wir. Der Verlauf des Kernnetzes ist bereits festgelegt, aber auch unsere Verteilnetze werden wir Zug um Zug umstellen. H: Klima und Umwelt sind große Themen, die wir vorantreiben müssen. Dafür müssen wir viele Möglichkeiten gleichzeitig nutzen. Wir müssen die Erzeugung von erneuerbaren Energien steigern, damit sie günstiger wird. Feste Arbeitsplätze und bezahlbare Wohnungen spielen eine wichtige Rolle für die Menschen. In meinen Sprechstunden dreht sich viel um das Problem, dass zu viel Lohn oder Gehalt für die Miete draufgeht. Das wollen wir ändern. Effektiver Klimaschutz muss mit sozialer Gerechtigkeit verbunden sein und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen schaffen. Klimaschutz ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. L: Das spiegelt sich genau in diesem Gesetz wider, im GEG beziehungsweise im geplanten GMG. Das Ziel ist Klimaneutralität. Uns geht es um das richtige Tempo und die richtige Reihenfolge, damit wir die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen. In der energie schwaben Gruppe stellen wir uns breit auf: Erneuerbare Energien werden immer wichtiger. Wir setzen Photovoltaik-Projekte um, wir beschäftigen uns mit Windkraft. Wasserkraft gehört ohnehin schon lange zu unserem Portfolio. Ein Problem ist zum Beispiel, dass die Planungsphasen oft viel zu lang sind. Momentan dauert es sieben Jahre, bis ein einzelnes Windrad genehmigt ist. Kann man das nicht halbieren? H: Durch meine Genossinnen und Genossen habe ich immer ein Ohr an der Kommunalpolitik. Es ist richtig, wir müssen mit Kommunen und Bezirken enger zusammenarbeiten. Es ist auch schwierig und es dauert lange, Förderungen zu erhalten. Die Förderbedingungen müssen klar und transparent sein, es muss schnell gehen. Vielleicht könnte auch eine zentrale Stelle dafür sinnvoll sein, in der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Ansprechpartner*innen für ihre Fragen dazu finden. Die Verknüpfung von Bund, Ländern und Kommunen muss enger werden. Denn die Gelder aus dem Sondervermögen sind ja da.